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Kurzinformation Bearbeiten

Staudach-Egerndach

Lkr. Traunstein, Bezirk Oberbayern

540 Meter über NN

1131 Einwohner

19,34 km² Fläche

Vorwahl 08641 PLZ 83224

Bürgermeister: Hans Pertl (CSU)


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Blick vom Osterbuchberg auf das Achental und Staudach-Egerndach (links)











Lage Bearbeiten

Der Doppelort Staudach-Egerndach liegt am Fuße des Hochgerns und des Schnappenberges. Im Süden begrenzen die Chiemgauer Alpen das Gemeindegebiet. Im Westen fließt die Tiroler Ache und im Norden befindet sich ein ausgedehntes Moorgebiet, das bis zur Autobahn reicht. Durch den Ort führt die Staatsstraße von Bergen (östlich von Staudach-Egerndach) nach Grassau.

Durch Staudach-Egerndach führte auch in vorigen Jahrhunderten die wichtige Straße von Traunstein nach Rosenheim. Bis ins 19. Jahrhundert war die Staudacher Achenbrücke einer der wichtigsten Übergänge im Chiemgau. An die Bedeutung erinnern die Namen "Zur Maut" bzw. "Mauthäusl".

Ortsbeschreibung Bearbeiten

Staudach-Egerndach besteht aus dem Ortsteil Staudach, der direkt unter dem Schnappenberg liegt und dem Ortsteil Egerndach mit seiner alten Kirche, der jenseits der Straße nach Bergen im Süden liegt. Egerndach hat einen landwirtschaftlichen Charakter, wohingegen der Ort Staudach eher von der Forstwirtschaft und dem Mühlenwesen geprägt ist. Die Bezeichnung Mühlwinkl deutet auf die Nutzung der Wasserkraft hin. In den letzten Jahren wachsen die beiden Ortsteile immer mehr zusammen.

Staudach-Egerndach ist mit seinen gut 1100 Einwohnern die kleinste Gemeinde im Landkreis Traunstein. Der Ort hat aber 12 meist kleinere Ortsteile und Weiler. Staudach-Egerndach gehört zur Verwaltungsgemeinschaft Marquartstein.

Sehenswürdigkeiten Bearbeiten

Pfarrkirche St. Andreas Bearbeiten

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Die Kirche St. Andreas in Egerndach

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Blick in den Chorraum der Kirche St. Andreas in Egerndach

Seit 1947 ist Egerndach eine eigene Pfarrei. Die erste urkundliche Erwähnung einer Kirche an dieser Stelle stammt von 1266. Die heutige Pfarrkirche von Egerndach ist dem Heiligen Andreas geweiht. Sie ist im Kern spätgotisch (zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts). 1895 wurde das frühere spätgotische Netzgewölbe im Langhaus abgebrochen, das man heute nur noch im Chorraum sehen kann. Ebenfalls gotisch sind das Rundbogenportal und ein Fenster in der Apsis. Leider wurde der Großteil der ursprünglichen Ausstattung laut Kreisheimatpfleger Christian Soika 1867/95 durch barocke ersetzt. Der DuMont-Kunstreiseführer datiert die Barokisierung dagegen auf das Jahr 1691.

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Das freigelegte Fresko mit der Darstellung der Muttergottes

Die Umgestaltung der Kirche im Jahre 1988 hat dem Gotteshaus wieder einen Teil seines früheren Charakters zurückgegeben. Vor einigen Jahren fand man hier ein kunsthistorisch wertvolles Fresko von 1510 mit der Darstellung des Todes und der Himmelfahrt Mariens. Die Muttergottes ist von Engeln und Heiligen umgeben. Von den barocken Ausstattungsstücken in der Kirche sind eine Kreuzigungsgruppe von 1612 mit Maria und Johannes, die für eine Kirche in Forstenried bei München bestimmt war, sehenswert. Das Kruzifix der genannten Kreuzigungsgruppe am Chorscheitel stammt von 1500 (1510). Der Gekreuzigte ähnelt den Werken von Veit Stoß. Ebenfalls für die Forstenrieder Kirche war auch der Tabernakel in Egerndach gefertigt worden – eine silberne Arbeit von 1718 mit knieenden Engeln. Das Hochaltarbild ist um das Jahr 1700 entstanden. An den neugotischen Altären befinden sich alte Schnitzfiguren: Diese Schnitzfiguren sind eine Muttergottes (gotisch 1540/1480) und eine Anna selbdritt von der Größe 78 cm zwischen 1510 und 1530 entstanden. Die Figur eines sitzenden Bischofs (wahrscheinlich der Heilige Blasius) soll ebenfalls aus spätgotischer Zeit stammen – seine Figur ist 1,12 Meter groß. Die Figuren des Johannes und des Paulus sind von 1655. Eine stehende Heilige Anna ist 1740 entstanden. Die Fenster der Kirche zeigen: Selige Irmengard mit Frauenchiemsee, Hl. Rupertus mit Salzburg, Jesus mit Jüngern, Gründung der Peterskirche in Rom.

In der angebauten Kapelle hat ein Barockaltärchen mit einer freien Bearbeitung nach Matthias Grünewald von dem Marquartsteiner Professor Müller-Wischin seinen Platz.

Rund um die Kirche Bearbeiten

Die Kriegergedächtniskapelle von 1923 wurde der ein Jahr zuvor abgerissenen Nepomukkapelle, die seit 1782 an der Achenbrücke stand, nachempfunden. Sie beherbergt eine gute Pietà.

Auf dem Egerndacher Friedhof findet man das Grab der Schriftstellerin Anna Kroher, die mit ihrem Buch »Im Bannkreis der Großen Ache« ein Standardwerk zum Achental geschrieben hat.


Im Mühlwinkel Bearbeiten

Die Mühlwinklkapelle wurde im 18. Jahrhundert erbaut.

Im Mühlwinkl in Staudach sind noch sehr schöne historische Mühlengebäude erhalten. Besonders sehenswert ist das Gebäude im Mühlwinkel 3, das aus dem 17. Jahrhundert stammt und 1879 umgebaut wurde. Es hat noch schöne Lauben und Erker.


Lourdeskapelle Bearbeiten

Die Lourdeskapelle bei Einöd ist ein interessanter kreisrunder Bau aus dem Jahre 1887. Das Baudenkmal liegt direkt an der Straße in Richtung Bergen auf einer kleinen bewaldeten Kuppe. Der am 11.September 1887 vom Grassauer Pfarrer geweihte Bau wird auch Scheicherkapelle genannt.


Geschichte Bearbeiten

Auf dem Schlossberg oberhalb von Staudach finden sich noch vereinzelte Reste der mittelalterlichen Burg Hohenstein, die hier gestanden hat. Als Inhaber ist für das 11.Jahrhundert ein gewisser Marquart I. belegt. Der Besitz der Burg Hohenstein wechselte häufig. Die Burg war auch mit dem Edelsitz Egerndach hin und wieder verbunden. In den Archiven gibt es zahlreiche Unterlagen aus dem 14. Jahrhundert über die Hohensteiner. Bereits im Jahre 1260 kam die Burg zur Herrschaft von Herzog Heinrich XIII. von Bayern-Landshut. Staudach entstand als Siedlung von Dienstleuten und Bauern und war stark von der Burg abhängig. In den Resten der Burg fand man einst einen römischen Grabstein, den man 1808 in die Kirche einmauerte. Seine Inschrift besagte, dass es der Grabstein der freigelassenen Acutus und Amanda sei. Besonders auffallend an diesem Exemplar waren die Reliefs der beiden Eheleute. Der Grabstein war eine Besonderheit in Oberbayern und der zweitälteste Römerstein (1. Jahrhundert nach Chr.) zwischen Inn und Salzach. Der 146 * 64 cm große Stein kam in die Staatssammlung nach München und wurde dort 1944 bei einem Bombenangriff vernichtet.

Chronik Bearbeiten

Am 14. Juni 1885 verkehrte der erste Materialzug von Übersee nach Staudach. Damit wird die Strecke dem Güterverkehr freigegeben.

Die Lourdeskapelle wurde am 11.September 1887 vom Grassauer Pfarrer Kratzer geweiht.

Der Gebirgstrachtenerhaltungsverein Staudach-Hochgern wurde am 5.August 1891 in Staudach gegründet.

Am 6. April 1947 wurde Staudach-Egerndach selbstständige Pfarrkuratie.

Die Gemeinde Staudach-Egerndach wurde am 13.04.1949 aus Staudach und Egerndach gegründet.

Staudach geriet am 24.Januar 1950 durch einen Schulstreik überregional in die Schlagzeilen. Grund: Eine sehr beliebte evangelische Lehrerin sollte nach Franken versetzt werden, aus Protest schickten die Eltern ihre Kinder nicht mehr zum Unterricht.

Das neue Schulhaus der Gemeinde wurde am 14. Oktober 1966 eingeweiht.

Am 20.Juli 1972 erhielt die Gemeinde von der Regierung Oberbayerns die Genehmigung ein Ortswappen zu führen.


Menschen Bearbeiten

Die Schriftstellerin Anna Kroher, die auf dem Egerndacher Friedhof begraben liegt, hat das Buch "Im Bannkreis der Großen Ache" geschrieben. Kroher (1859 - 1943) hielt in ihrem 540-seitigen Buch alle gesammelten Geschichten und Volkstümliches aus dem Achental für ihre Nachwelt fest. Die Heimatforscherin wurde am 30. Juni 1859 in Augsburg, als Tochter des Großhandelskaufmanns Carl David Troeltsch, geboren. Seit 1881 lebte Anna Kroher in Staudach - hier heiratete sie den Zementwerksbesitzer Adolf Kroher. Ihr Tod am 4. Dezember 1943 war ein Schock für die Gemeinde. Schon am 26. Januar 1930 wurde Kroher zur Ehrenbürgerin von Egerndach erhoben. Ihr Buch ist leider heute vergriffen, gilt aber als Standardwerk zum Thema Achental.


Zitat von ... Bearbeiten

... Hans Planitz (Hrsg.) aus dem Buch "Deutsches Handbuch für Fremdenverkehr Bayern":

"Staudach-Egerndach ein altes Gebirgsdorf am Fuße des Hochgern (1744), bildet das Tor zum wildromantischen Bergtal der Tiroler Ache in den Chiemgauer Alpen. Alles was diesen Ort umgibt, atmet stimmungsvolle Heiterkeit in dem reichen Wechsel anmutiger Landschaftsbilder. Direkt im Ort neuerbautes modernes Schwimmbad. In den schmucken Bauern- und Landhäusern finden die Gäste eine gute billige Unterkunft und in sauber geführten Gasthäusern und Pensionen eine ebensolche Verpflegung. Die alteingesessene, lebensfrohe und gastfreundliche Bevölkerung veranlasst viele Gäste, Jahr für Jahr gerne zurückzukehren zur frischen Alpenluft und in die behagliche Ruhe von Staudach-Egerndach."


Exkurs: Geschichte der Ortsnamen Bearbeiten

Der Name Staudach soll angeblich durch das reiche Vorhandensein von Staudengewächsen zu Stande gekommen sein.

Der Name Egerndach soll von der Flurbezeichnung "Egerde" für Brachland kommen, was auf das zum Teil moorige und sumpfige Gebiet hinweist.

Der östlich liegende Weiler Bayern ist in seinem Namensursprung auf das Wort "Buren" für Bauern zurückzuführen. Die Einwohner sind auch die "Bayerer" und nicht die "Bayern". Vermutlich kam der falsche Name bei der Aufnahme in eine Landkarte im letzten Jahrhundert zu Stande. Der Weiler hat heute 28 Einwohner. Das Ortsschild wird heute gerne fotografiert - "Bayern in Bayern".

Kontakt Bearbeiten

Verkehrsverein Staudach-Egerndach

Marquartsteiner Str. 3

83224 Staudach-Egerndach

Tel.: 08641-2560

info@staudach-egerndach.de




Interessante Links Bearbeiten

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